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Vintage

Im Laufe der Jahre hatte ich die Gelegenheit, viele wertvolle und einmalige Vintage-Gitarren „auf die Bank“ zu bekommen.


Artenschutz

… ist auch im Gitarrenbau ein echtes Thema. Der An- und Verkauf vieler Instrumente ist durch CITES reguliert. 


Expertisen

Was ist meine Gitarre wert und ist sie im originalen Zustand?

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ARTENSCHUTZ

Geschützte Hölzer im Instrumentenbau

Im Instrumentenbau wurde natürlich schon immer Wert auf die klanglichen und optischen Eigenschaften der verbauten Hölzer gelegt. So kam schon früh der sogenannte Rio-Palisander (Dalbergia nigra) zum Einsatz. Wirbel, Griffbretter, Brücken, Zargen und Böden wurden aus ihm gefertigt. Warum? Griffbretter aus Rio-Palisander betonen die höheren Frequenzbereiche und Korpusse aus diesem Holz bringen Volumen in den Klang und betonen eher die Bässe. 

Auf Grund dieser Eigenschaften und der starken Verwendung im Möbelbau wurde Raubbau an dieser Spezies betrieben, sodass sie unter höchsten Schutz gestellt wurde.

Aber auch andere im Instrumentenbau verwendete Hölzer wie Bubinga, Ebenholz oder echtes Mahagoni wurden unter - wenn auch nicht so starken - Schutz gestellt.


CITES I und II

1973 wurde in Washington die „Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora” – kurz CITES genannt - ausgehandelt. Die Anhänge definieren die Schutzklassen gefährdeter Arten. CITES Anhang I nennt Arten, die akut vom Aussterben bedroht sind - z.B. Dalbergia nigra. In Anhang II werden die Tier- und Pflanzenarten, die noch nicht unmittelbar vom Aussterben bedroht sind, aber deren unkontrollierter Handel die Arten stark gefährdet, gelistet.

Bereits 1968 verbot Brasilien den Export ganzer Stämme von Dalbergia nigra, das auch unter den Handelsnamen Brazilian Rosewood, Rio-Palisander, Jacaranda negro bekannt ist. Diese Spezies ist konsequenter Weise in die Schutzklasse CITES I aufgenommen worden und darf seit dem 20.07.92 nicht mehr ohne eine spezielle Vermarktungsgenehmigung gehandelt werden. Auch wenn ein Instrument nachweislich vor 1992 hergestellt und/oder in die EU eingeführt wurde, wird eine solche Bescheinigung benötigt, da ansonsten der Verdacht einer Straftat vorliegen und dieses verfolgt werden kann.

In den CITES-Anhang II sind z.B. Hölzer wie Ebenholz (Diospyros spp.), Bubinga (z.B. Guibourtia demeusei) oder auch das „echte“ Mahagoni (Swietenia macrophyla), sowie im Jahr 2017 auch alle anderen Palisander-Arten (Dalbergia spp.) aufgenommen worden.


Welche Instrumente sind betroffen?

Natürlich haben Gitarrenbauer bestimmte Mengen von Dalbergia nigra am Lager (gehabt) und verbaut - auch nach 1968. Die großen amerikanischen Hersteller Fender und Gibson haben bis in das Jahr 1965 hinein nahezu ausschließlich Griffbretter aus Rio-Palisander verbaut. Andere amerikanische Hersteller haben in den frühen 60er Jahren die Verwendung von Dalbergia nigra eingestellt. Martin aber z.B. hat dieses Holz noch bis 1969 verarbeitet. Fender hat Restbestände bis in die 70er Jahre hinein verarbeitet. Somit dürfen viele begehrte Vintage-Gitarren aus den 1950er und 60er Jahren zunächst nicht mehr ohne eine CITES Vermarktungsbescheinigung gehandelt werden!

Auch deutsche Hersteller und Gitarrenbauer haben Rio-Palisander bis in die 1970er Jahre verbaut. Auch für diese Instrumente ist eine Vermarktungsbescheinigung erforderlich, wenn sie gehandelt werden.

2011 hat die Firma Gibson Rio-Palisander angekauft und bestimmte Les Paul Gitarren im Jahr 2013 mit einem Griffbrett aus Rio-Palisander ausgestattet. 


Wie erkennt man Dalbergia nigra?

Zunächst: Es riecht! Und zwar sehr angenehm süßlich nach Mandeln. Ostindischer Palisander hingegen riecht eher aromatisch mit einer schärferen Note.

Nun zur Physik: Am Tangentialschnitt des Holzes lässt sich Rio-Palisander nicht eindeutig erkennen. Es kann leicht mit anderen Dalbergien-Arten verwechselt werden oder aber auch mit Pao Ferro. Deutlich erkennt man den Unterschied jedoch im Querschnitt des Holzes 1)

Hier sind 3 unterschiedliche Bilder vom Querschnitt einer Probe zu sehen. Das vierte Bild zeigt den Querschnitt des ostindischen Palisanders. Deutlich erkennt man die in etwa doppelt so hohe Anzahl von Poren im Vergleich zum Rio-Palisander. 

Dalbergia nigra hat aber noch eine weitere Eigenschaft, die ihn von anderen Palisander-Arten unterscheidet: die Kernholzextrakte sind nicht wasserlöslich und der wässrige Extrakt fluoresziert nicht unter Schwarzlicht6). Der ostindische Palisander hingegen fluoresziert hell bläulich bis grünlich, wie auch das Cocobolo oder der Honduras Palisander. Eine grünlich-bläuliche Fluoreszenz zeigt der Rio-Palisander jedoch in Ethanol, während das ostindische Palisander in Ethanol schwach gelblich/braun bis orange fluoresziert1).


Was tun, wenn mein Instrument Dalbergia nigra verbaut hat?

Ein Instrument mit verbautem Dalbergia nigra Bestandteilen oder auch unbearbeitetes Rio-Palisander muss, um es legal handeln zu können, eine CITES Vermarktungsbescheinigung besitzen. Dazu ist es erforderlich, nachzuweisen, dass sich das Instrument schon vor dem 20.07.1992 auf dem Boden der EU befunden hat und tatsächlich vor diesem Datum gebaut wurde.


Alternativen zum Rio-Palisander und anderen geschützten Hölzern

Optisch kommt das Pao Ferro dem Rio-Palisander sehr nah. Unter Hölzer finden sich einige Beispiele aus meinem Holzlager. Tonal sollte man sich nicht zu sehr auf die „magischen“ Klangeigenschaften des Rio-Palisanders - insbesondere bei Griffbrettern - fixieren. Der Klang einer Gitarre wird aus der Kombination vieler Bauteile bis hin zum Leim bestimmt. Und letztlich kommt der Sound ja doch aus den Fingern!

Darüber hinaus müssen es nicht unbedingt tropische Hölzer sein, aus denen eine Gitarre gebaut wird. Auch heimische Hölzer wie z.B. Kirsche eignen sich hervorragend zum Instrumentenbau.

Griffbretter aus Rio-Palisander

Griffbretter aus
Rio-Palisander

CITES
Bescheinigung

CITES Vermarktungsbescheinigung
Porenansicht Dalbergia Nigra

ca. 12-fach
vergrössert 2)

Porenansicht Dalbergia Nigra

ca. 20-fach
vergrössert
3)

Porenansicht Dalbergia Nigra

ca. 10-fach
vergrössert
4)

Porenansicht Dalbergia latifolia

Dalbergia latifolia
ca. 10-fach vergrössert
5)

Quellen:

  • 1) Richter, H.G., Gembruch, K., and Koch, G. 2014 onwards. CITESwoodID: descriptions, illustrations, identification, and information retrieval. In English, French, German, and Spanish. Version: 20th August 2019. delta-intkey.com
  • 2) Bild: Priv. Doz. Dr. habil. Gerald Koch, Thünen Institute of Wood Research;
    auf https://de.wikipedia.org/wiki/Rio-Palisander
  • 3) Bild: https://www.vintage-guitar.de/riopalisander.html
  • 4) Bild: Richter, H.G., Gembruch, K., and Koch, G. 2014 onwards. CITESwoodID,
    auf https://www.delta-intkey.com/citeswood/de/www/fabdani.htm
  • 5) Bild: Richter, H.G., Gembruch, K., and Koch, G. 2014 onwards. CITESwoodID,
    auf https://www.delta-intkey.com/citeswood/de/www/fabdani.htm
  • 6) Eric Meier, Distinguishing Brazilian Rosewood, East Indian and other Rosewoods,
    https://www.wood-database.com/wood-articles/distinguishing-brazilian-rosewood-from-east-indian-and-other-rosewoods/ 

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